Miriam Meckel – Was KI uns nicht abnehmen kann
Je mehr künstliche Intelligenz für uns erledigt, desto wichtiger wird die Frage, was wir als Menschen beitragen. Miriam Meckel setzt dabei auf menschliche Erfahrung, Urteilskompetenz und die Fähigkeit, Beziehungen zu gestalten.
Am 27. Oktober 2026 sprach Prof. Dr. Miriam Meckel beim Wherever Whenever – Work Culture Festival im Rahmen der ORGATEC in Köln.
Ihr Keynote-Titel: «Was KI uns nicht abnehmen kann: Warum Führung im KI-Zeitalter zur Beziehungsarbeit wird.»
Ein Impuls über die Zukunft der Arbeit – und darüber, welche menschlichen Fähigkeiten wir bewusst weiterentwickeln müssen.
Arbeit gibt Sinn. Was passiert, wenn KI sie übernimmt?
Jeder Job ist auch Sinngebung. Wer arbeitet, löst Aufgaben, sammelt Erfahrungen und erlebt, dass der eigene Beitrag zählt. Wenn KI zunehmend Probleme für uns löst, verändert sich deshalb mehr als unsere Produktivität: Es stellt sich die Frage, wo Menschen künftig Wirksamkeit und Sinn erfahren.
Besonders deutlich wird das beim Berufseinstieg. Werden Juniorstellen durch KI ersetzt, fehlen jungen Menschen möglicherweise genau jene Aufgaben, an denen sie lernen und wachsen können. Effizienzgewinne werfen damit eine langfristige Frage auf: Wie entwickeln wir die Erfahrung und Urteilskompetenz von morgen?
Meckels Zielbild ist eine Co-Intelligenz: Mensch und Maschine arbeiten gemeinsam. Dafür müssen Unternehmen verstehen, welche Aufgaben sie automatisieren – und wo Menschen eigene Erfahrungen sammeln müssen.
Führung kann das Lernen nicht delegieren
Für Führungskräfte bedeutet das, sich selbst mit KI auseinanderzusetzen und weiterzubilden. Die Gestaltung ihres Einsatzes ist eine strategische Führungsaufgabe.
Denn KI kann Analysen liefern und Entscheidungen vorbereiten. Verantwortung übernehmen kann sie nicht. Dafür braucht es Menschen, die Ergebnisse hinterfragen, Konsequenzen abwägen und für ihre Entscheidungen einstehen.
Auch ein zögerlicher Umgang mit KI hat Folgen. Wo Unternehmen keine gemeinsamen Möglichkeiten schaffen, entstehen «Secret Cyborgs»: Mitarbeitende, die KI eigenständig und im Verborgenen nutzen. Individuelle Produktivitätsgewinne ergeben jedoch noch keine Organisation, die gemeinsam lernt.
Menschliche Entwicklung braucht Reibung
Wer sich zunehmend an Maschinen wendet, darf darüber den Austausch mit anderen Menschen nicht verlernen. Beziehungen verlangen Geduld, Perspektivwechsel und die Bereitschaft, Widersprüche auszuhalten.
«Echte Entwicklung entsteht, wenn wir mit anderen Menschen streiten, diskutieren und in Austausch gehen.»
Die Zukunftskompetenzen, die Miriam Meckel in ihrem Vortrag benennt, knüpfen daran an:
- Emotionale Intelligenz und Empathie
- Kritisches Denken und Wahrheitsprüfung
- Die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen
- Anpassungsfähigkeit
- Ethisches Urteilsvermögen und Verantwortung
- Originalität und Storytelling
Diese Fähigkeiten entwickeln sich im gemeinsamen Handeln: durch Zuhören, Nachfragen, Auseinandersetzung und das Übernehmen von Verantwortung.
Wenn menschliche Präsenz zum Wert wird
Meckel beschreibt damit eine Beziehungsökonomie. Wenn Informationen und Lösungen immer leichter verfügbar werden, gewinnt menschliche Präsenz an Bedeutung: Menschen, die sich Zeit nehmen, Vertrauen schaffen und Orientierung geben.
Für Führung verschiebt sich damit der Schwerpunkt. Sie muss Räume schaffen, in denen Menschen ihre Fähigkeiten einbringen, voneinander lernen und gemeinsam die richtigen Fragen stellen können.
Der Gedanke, der bleibt: Mit den Möglichkeiten der KI wächst auch die Bedeutung menschlicher Urteilskraft. Ob aus einer verfügbaren Lösung eine tragfähige Innovation wird, entscheidet sich dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und gemeinsam ins Handeln kommen.
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