Angelique Kerber - Warum Niederlagen zu Spitzenleistung führen können

Drei Grand-Slam-Titel, der Sieg in Wimbledon, Platz eins der Weltrangliste und olympisches Silber: Angelique Kerber hat in 21 Jahren auf der Tour fast alles gewonnen, was es im Tennis zu gewinnen gibt.
Als sie auf dem Work Culture Festival auf der Orgatec in Köln mit Katharina Wolff, der Herausgeberin des Strive Magazins, sprach, ging es weniger um Pokale, sondern um ihre spannende persönliche Geschichte – wie sie es immer wieder schaffte, sich zu Höchstleistungen zu motivieren. Es ging um Geduld, um Rückschläge und um die Frage, wie man lernt, auf sich selbst zu hören.
Ihren ersten Grand-Slam-Titel gewann Kerber mit 28 Jahren, für den Spitzensport ist das spät. Auf das Ausnahmejahr 2016 folgte ein Tief. Plötzlich war sie die Gejagte. Jede Niederlage wurde kritisiert, und alle wollten etwas von ihr. Kerber lernte in dieser Zeit, Nein zu sagen, sich wieder auf ihre Stärken zu besinnen und Schritt für Schritt zu denken, statt alles nur in Sieg oder Niederlage zu messen. Heute ist sie überzeugt, dass es ohne dieses schwierige Jahr den Triumph in Wimbledon 2018 nicht gegeben hätte.
„Ohne Niederlagen und ehrliche Analyse, wird niemand besser.“
Halt gab ihr dabei ein kleines Team, das über viele Jahre dasselbe blieb. Während andere Spielerinnen jedes Jahr den Trainer wechselten, setzte Kerber auf Vertrauen. Kritik war ausdrücklich erwünscht, allerdings mit Fingerspitzengefühl und erst ein paar Stunden nach dem Match. Ohne Niederlagen und ehrliche Analyse, sagt sie, wird niemand besser.
Wichtig wurde für sie auch das Bauchgefühl. Immer wenn sie dagegen entschied und etwa ein Turnier spielte, obwohl sie nicht bereit war, hat sie es bereut. Ihre mentale Stärke trainierte sie durch Erfahrung und Meditation. Sie wollte im Hier und Jetzt bleiben und nicht an den verlorenen Ball oder an das nächste Spiel denken.
Nach der Geburt ihrer Tochter kehrte Kerber auf die Tour zurück, auch um zu zeigen, dass Mutterschaft und Leistungssport zusammenpassen. Damit änderte sich ihr Blick auf den Sport, denn zu Hause wartete nun jemand, dem das Ergebnis egal war. Ihre Karriere beendete sie bei den Olympischen Spielen in Paris. Den Zeitpunkt wählte sie selbst, statt ihn sich von einer Verletzung oder vom Ranking vorgeben zu lassen. Es war die schwierigste Entscheidung ihrer Laufbahn und zugleich der richtige Moment.
Für die Arbeitswelt zeigt Kerbers Geschichte, dass Höhepunkte oft gerade durch Krisen entstehen. Wer seinem Team Beständigkeit gibt, Kritik mit Bedacht äußert und Menschen ihrem Bauchgefühl folgen lässt, legt die Grundlage für Spitzenleistung. Das gilt auf dem Tennisplatz genauso wie im Büro.
Angelique Kerber – Legende des Sports
Am 7. November erhält sie die Auszeichnung „Legende des Sports“ – wir gratulieren herzlich und danken Angelique und Katharina für das spannende Gespräch auf dem Work Culture Festival.
Angelique Kerber ist als Speakerin und Talkgast buchbar über LEADING MINDS: +49 (0)30 640 777 42 oder [email protected]